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Plakatserie · KI-gestützte Bildgestaltung / 2025

Schönheit und Betäubung

Schönheit, die uns nichts mehr fühlen lässt.

Schönheit und Betäubung — Plakatserie · KI-gestützte Bildgestaltung

Schönheit, die uns nichts mehr fühlen lässt.

Diese Plakatserie ist meine Reaktion auf das Geschehen in Russland: auf den Gegensatz zwischen festlicher Kulisse und innerer Erstarrung, zwischen einer Schönheit, die den Blick anzieht, und der Gewohnheit, wegzusehen.

Die drei Plakate entstanden für das Thema „Russian Style“ des Wettbewerbs Goldene Biene. Sie verbinden Kokoschnik, Gschel-Keramik und Birkenwald mit vertrauten Redewendungen. Ihre Bildwelt ist prächtig und verstörend zugleich. Das Ornament betäubt; hinter der strahlenden Oberfläche wird eine Leere sichtbar.

Konzept und Gestaltung: Vladimir Shmoylov / SHM LV. Umsetzung mit Photoshop, Illustrator und Midjourney.

Freie Plakatserie für den Wettbewerb Goldene Biene.

Originalprojekt ↗

01

Sie trank Wein und lachte

Folklore zerfällt in Neonsplitter. Lachen, Weinglas und Festgewand begegnen den Schlussversen von Heinrich Heines Gedicht in der russischen Übertragung von Apollon Maikow. Was zunächst wie Lebenslust erscheint, wird zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod eines anderen. Die Schönheit zeigt Zähne.

Der russische Plakattitel „Пила вино и хохотала“ zitiert die Schlusszeile von Apollon Maikows Übertragung aus dem Jahr 1857. Ihr Ursprung ist Heinrich Heines „Ein Weib“, erschienen 1844 in Neue Gedichte. Bei Heine sind beide Liebenden Diebe; Maikow verschärft den Gegensatz zwischen der selbstzerstörerischen Hingabe des Mannes und der Gleichgültigkeit der Frau. Grigori Lischin vertonte den russischen Text als Romanze „Sie lachte“, die auch Fjodor Schaljapin sang und aufnahm. Losgelöst vom Gedicht kann die Wendung unbeschwert klingen. Im Zusammenhang wird sie zum Ausdruck von Gefühlskälte. Hier steht Heines deutscher Originaltext in der Schreibweise der Erstausgabe.

Heinrich Heine: Ein Weib · Originaltext, 1844
Sie hatten sich beide so herzlich lieb, Spitzbübin war sie, er war ein Dieb. Wenn er Schelmenstreiche machte, Sie warf sich auf’s Bett und lachte. Der Tag verging in Freud und Lust, Des Nachts lag sie an seiner Brust. Als man in’s Gefängniß ihn brachte, Sie stand am Fenster und lachte. Er ließ ihr sagen: O komm zu mir, Ich sehne mich so sehr nach dir, Ich rufe nach dir, ich schmachte – Sie schüttelt’ das Haupt und lachte. Um sechse des Morgens ward er gehenkt, Um sieben ward er in’s Grab gesenkt; Sie aber schon um achte Trank rothen Wein und lachte.
Heinrich Heine · Ein Weib, Neue Gedichte, 1844 ↗
Originalprojekt ↗

02

Russische Schönheit

Ein Birkenwald, ein rotes Gewand mit goldenen Mustern, das Blau und Weiß der Gschel-Keramik: vertraute Sinnbilder russischer Schönheit. Doch an die Stelle des Gesichts tritt ein bemalter Schädel. Der Glanz bleibt, das Lebendige ist verschwunden. Das Ornament umrahmt eine Leerstelle.

Originalprojekt ↗

03

Wie schön es geworden ist

Der Titel spielt auf die russische Redewendung „Wie viel schöner Moskau unter Sobjanin geworden ist“ an. Sie dient sowohl als Lob für die Stadtgestaltung als auch als ironisches Meme. Hier zerbricht ihre Gewissheit. Das wiederholte КАК – WIE – wird zur Frage: Wie konnte das geschehen? Wie konnten wir es zulassen? Perlen, Festbeleuchtung und übereinanderliegende Schriftzüge bilden eine glänzende Oberfläche, die den Blick auf das Dahinter verstellt. Schönheit als Tarnung. Ornament als Betäubung.

Originalprojekt ↗
Nächstes Projekt ↗

Dr. Shtern