Während virtuelle Realität uns in eine andere Umgebung einlädt, ergänzt Augmented Reality die Welt, in der wir uns bereits befinden, um eine digitale Schicht. In dieser Forschungsserie von 2024 frage ich, wie KI diese Schicht auf Orte, Gegenstände und Menschen reagieren lassen könnte. Die zentrale Frage ist visuell: Wer entscheidet, was zwischen uns und der Welt erscheint und was unsere Aufmerksamkeit verdient?
Übersetzung könnte Teil des Blickfelds werden: Untertitel zu einem Gespräch, eine Erklärung neben einem unbekannten Schild oder Orientierung im Museum. Im Unterricht könnte ein Modell neben dem Gegenstand erscheinen, den es erläutert. Historische Szenen könnten vor Ort rekonstruiert werden, sofern Besucher Belege und Interpretation unterscheiden können. Der Wert läge darin, Zusammenhänge zugänglich zu machen, ohne den Ort durch einen informationsgefüllten Bildschirm zu ersetzen.
Architekten könnten ein geplantes Gebäude mit seiner Umgebung vergleichen; Stadtbewohner könnten Entwürfe für eine Straße oder einen Park betrachten. Umweltszenarien könnten mögliche Folgen von Hitze, Verschmutzung oder veränderter Landnutzung zeigen. Solche Bilder müssten ihre Annahmen benennen. Eine überzeugende Einblendung kann einen Vorschlag unausweichlich erscheinen lassen, obwohl sie nur eine mögliche Zukunft darstellt.
Am Arbeitsplatz könnten Anleitungen neben Geräten erscheinen. Im Handel könnten Menschen die Größe eines Möbelstücks einschätzen oder ein Produkt vor dem Kauf erkunden. Gesundheitsversorgung und Rehabilitation bieten weitere denkbare Anwendungen, von anatomischen Erklärungen bis zur Anleitung einer Übung. Hier wären Genauigkeit, Validierung und fachkundige Beurteilung wichtiger als visuelles Spektakel. Eine Einblendung garantiert keine sichere Entscheidung.
Künstler könnten ortsgebundene Werke schaffen, die sich mit den Handlungen von Besuchern verändern. Aufführungen, Geschichten und gemeinsam erlebte digitale Objekte könnten Teil eines gewöhnlichen Zimmers oder eines öffentlichen Platzes werden. Soziale Filter und virtuelle Figuren könnten die Selbstdarstellung erweitern. Die gestalterische Herausforderung wäre, solche Begegnungen bedeutungsvoll zu machen und zugleich diejenigen zu respektieren, die den physischen Raum teilen.
Digitale Begleiter im Freien könnten Landschaften erklären, Trainingshilfen Bewegungen visualisieren und städtische Dienste Wege oder Warnungen anzeigen. Audiobeschreibungen, Untertitel und alternative Interaktionen könnten den Zugang verbessern. Jede Anwendung müsste unter realen Bedingungen erprobt werden. Informationen, die eine Gefahr verdecken, zu spät erscheinen oder zu viel Aufmerksamkeit verlangen, können die versprochene Hilfe untergraben.
Dieselbe Schicht könnte zur Werbefläche oder zum personalisierten Filter des öffentlichen Lebens werden. Die Erkennung von Personen und Orten wirft Fragen nach Privatsphäre, Einwilligung und der gezeigten Version der Welt auf. Nutzer sollten die Schicht verstehen, anpassen und abschalten können. Menschen in ihrer Umgebung könnten ebenfalls betroffen sein, ohne sich zur Teilnahme entschieden zu haben.
Mich reizt nicht die Vorstellung, jede Oberfläche mit digitalen Inhalten zu füllen. Interessanter wäre, visuelles Wissen dort verfügbar zu machen, wo es nützlich wird: ein Diagramm, eine Erinnerung, eine Übersetzung, eine mögliche Zukunft. KI könnte diese Sprache reaktionsfähiger machen. Ob sie unsere Beziehung zur Welt vertieft oder uns von ihr ablenkt, hinge davon ab, was wir sichtbar machen und was wir unverstellt lassen.


KI & visuelle Kultur: 42. Sport: Bewegung, Strategie und Ungewissheit sichtbar machen ↗

