Film und Fernsehen unterhalten nicht nur. Sie verbreiten Bilder, Gesten und Erzählweisen über Grenzen hinweg. Im siebten Essay meiner Serie von 2024 frage ich, wie KI diesen Prozess verändern könnte – vom Schreiben einer Szene bis zur Entscheidung darüber, welcher Film sein Publikum erreicht.

Für Autoren kann ein generatives System ein Werkzeug sein, um Alternativen zu erproben: einen Szenenentwurf, einen Perspektivwechsel oder mehrere Fassungen eines Gesprächs. Die Analyse vorhandener Drehbücher kann auf Muster hinweisen, die eine Untersuchung lohnen. Ein Muster aus erfolgreichen Filmen ist jedoch kein Rezept für den nächsten Erfolg. Dramatische Spannung, die Widersprüche einer Figur und eine unerwartete Stille verlangen weiterhin Entscheidungen darüber, was die Geschichte bedeutet.

Bei der Besetzung stellt sich eine verwandte Frage. Daten zu früheren Rollen oder Publikumsreaktionen können die Recherche unterstützen. Sie können aber weder die Chemie zwischen Darstellern feststellen noch entscheiden, wer eine Figur verkörpern sollte. Digitale Abbilder fügen eine weitere Ebene hinzu. Ein überzeugendes Gesicht oder eine glaubhafte Stimme sind nicht bloß Produktionsmittel: Ihre Verwendung verlangt klare Vereinbarungen über Einwilligung, Kontext und Vergütung. Die technische Machbarkeit beantwortet diese Fragen nicht.

In der Produktion können KI-gestützte Werkzeuge bei der Planung, der Bildvorbereitung und Teilen der Nachbearbeitung helfen. Maskierung, Tracking oder die Erprobung einer visuellen Gestaltung können weniger aufwendig werden. Computergenerierte Bilder, Kameraautomatisierung und virtuelle Produktion sind jedoch nicht durchweg mit KI gleichzusetzen. Ebenso wenig gibt es das eine perfekte Color Grading: Die Entscheidung gehört zur Bildsprache des Films.

Wenn einzelne Arbeitsschritte günstiger werden, könnten kleinere Teams mehr Spielraum zum Experimentieren gewinnen. Regie, Anschlusskontinuität, Tonschnitt und Fertigstellung bleiben dennoch notwendig. Zugang zu Werkzeugen ist außerdem etwas anderes als Zugang zu Finanzierung und Vertrieb. Eine Chance für unabhängige Produktionen ist damit vorstellbar, aber keineswegs garantiert, dass jedes Projekt sein Publikum findet.

Empfehlungssysteme beeinflussen, welche Geschichten sichtbar werden. Sie können Menschen einen Film entdecken lassen oder ihnen immer wieder Varianten dessen anbieten, was sie ohnehin sehen. Interaktive Erzählungen eröffnen eine andere Möglichkeit: Zuschauer treffen Entscheidungen innerhalb einer Geschichte. Verzweigte Erzählstrukturen benötigen keine KI, und mehr Wahlmöglichkeiten ergeben nicht automatisch ein bedeutungsvolleres Erlebnis.

Diese Veränderungen betreffen nicht nur Bilder, sondern auch Arbeit. Manche Routinetätigkeiten könnten abnehmen, während Prüfung, Korrektur und Abstimmung wichtiger werden. Weiterbildung sollte Menschen helfen, die Werkzeuge und ihre Grenzen zu verstehen, ohne alle zu Spezialisten für maschinelles Lernen machen zu wollen. Erzählen, Kameraführung, Schauspiel und redaktionelles Urteil bleiben zentrale Fähigkeiten.

Das kulturelle Risiko liegt in der Wiederholung in größerem Maßstab. Systeme, die sich an weitverbreiteten Filmen orientieren, können deren Konventionen reproduzieren und lokalen Rhythmen, Humorformen und Bildtraditionen weniger Raum lassen. Zugleich könnte eine erschwinglichere Produktion regionalen Stimmen helfen. Welche Tendenz sich durchsetzt, hängt von den Entscheidungen der Filmschaffenden, Auftraggeber und Plattformen ab, nicht allein von der Technologie.

Übersetzung, Untertitelung und Synchronisation könnten Werke für mehr Menschen zugänglich machen. Sprache ist jedoch mehr als ihr wörtlicher Sinn. Ein Witz, ein Akzent oder eine Pause kann die Identität einer Figur tragen. Menschliche Prüfung und die Freigabe wesentlicher Änderungen sind wichtig, damit Lokalisierung ein Werk einem anderen Publikum erschließt, ohne seine Eigenheiten einzuebnen.

Meine Frage lautet deshalb nicht, ob KI das Kino anspruchsvoller macht. Mich interessiert, wer die Möglichkeit gewinnt, eine Geschichte zu erzählen, wer die Kontrolle über ihre Form behält und welche Geschichten uns nahegelegt werden. Eine reichere visuelle Kultur verlangt bewusste Entscheidungen in allen drei Bereichen.