Eine Ausstellung beginnt mit einer kuratorischen Idee. Ihr öffentliches Leben hängt aber auch davon ab, wie diese Idee die Menschen erreicht. Im fünften Essay meiner Serie von 2024 frage ich, wie KI sowohl die Entwicklung einer Ausstellung als auch ihre Kommunikation unterstützen könnte.

Kuratoren arbeiten mit Objekten, Geschichten und Argumenten. KI kann dabei helfen, Sammlungsinformationen zu ordnen, Beschreibungen zu durchsuchen und Verbindungen vorzuschlagen, die eine nähere Untersuchung lohnen. Sie kann jedoch auch plausible Zusammenhänge herstellen, die einer Prüfung nicht standhalten. Eine vorgeschlagene Verbindung zwischen zwei Werken ist ein Ausgangspunkt für Recherchen, kein Ersatz für das Wissen um ihren Kontext oder ihre Provenienz.

Diese Unterscheidung ist wichtig, denn eine Ausstellung ist mehr als eine Auswahl ähnlicher Bilder. Ihre Bedeutung entsteht daraus, was sie zeigt, was sie auslässt und wie die Besucher den Werken begegnen. In diesen Entscheidungen liegt eine eigene Haltung. Zugang zu einer Sammlung zu erhalten, bedeutet für ein System nicht, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen, die eine Institution erzählt.

Aus derselben Geschichte kann die Kommunikation entstehen. Eine Ausstellung über den Wandel einer Stadt spricht ihre Bewohner möglicherweise anders an als Architekturstudierende oder Menschen, die die Stadt zum ersten Mal entdecken. KI kann helfen, Textfassungen vorzubereiten, praktische Informationen zu übersetzen und verschiedene Einstiege in das Thema zu erproben. Das Versprechen einer Anzeige sollte dennoch zu der Ausstellung passen, die das Publikum tatsächlich sehen wird.

Auch bei der Planung ergeben sich sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. Besucherzahlen, Buchungsverläufe und lokale Veranstaltungskalender können Hinweise auf den Zeitpunkt einer Kampagne oder die Verteilung eines begrenzten Budgets geben. Diese Informationen unterstützen Entscheidungen; sie garantieren keine Nachfrage. Schulzeiten, Verkehrsverbindungen, Eintrittspreise und Ereignisse außerhalb des Einflusses der Institution wirken sich ebenfalls auf die Besucherzahlen aus.

Rückmeldungen während einer Kampagne können zeigen, wo eine Erklärung unklar bleibt oder eine Buchung abgebrochen wird. Daraufhin die Ansprache anzupassen, kann helfen. Klicks sind jedoch nicht mit einer Auseinandersetzung mit Kunst gleichzusetzen. Und das am leichtesten zu vermarktende Werk ist nicht unbedingt das wichtigste für eine Ausstellung. Marketingdaten sollten nicht unbemerkt zur kuratorischen Leitlinie einer Institution werden.

Hinzu kommen praktische Grenzen. Publikumsforschung braucht klare Regeln für personenbezogene Daten, generierte Texte eine redaktionelle Prüfung. Übersetzungen müssen den Sinn der Ausstellung bewahren, statt nur ihre Schlagwörter wiederzugeben. Kleinere kulturelle Gemeinschaften können aus dem Blick geraten, wenn Entscheidungen allein auf den größten oder sichtbarsten Publikumsgruppen beruhen.

Die Chance sehe ich in einer engeren Verbindung zwischen kuratorischer Absicht und öffentlicher Kommunikation. KI kann wiederkehrende Arbeit verringern und einer Institution helfen, sich mehr Menschen verständlich zu machen. Erfolg zeigt sich daran, ob Besucher verstehen, warum eine Ausstellung relevant ist, und vor Ort etwas finden, das ihre Aufmerksamkeit verdient.